Der "Philosoph"


Adolf Glückert, Schreiner von Beruf, ist als Junggeselle gestorben.

Er war ein hochgescheiter Kleinwenkheimer, weshalb ihm der Beiname "Philosoph" durch seine Zeitgenossen zugedacht wurde.
Das zu seiner Zeit übliche Konversationslexikon soll er inhaltlich ganz
beherrscht haben und bei jeder passenden Gelegenheit machte er auch
davon Gebrauch. War er z.B. beim Lehrer zu Gast, dann sprach er nicht
von der Uhr, sondern gab die Zeit nach seinem "Chronometer" an.
Geist und Humor werden auch aus der folgenden Begebenheit deutlich.
Beim Besuch eines Bekannten, der gut Zither spielte, stellte Glückert fest:
"So, Eustach, jetzt bin ich der Saul und du bist der David!
Nimm deine Zither und spiele vor mir einen prickelnden Marsch!
Wenn du einen falschen Ton bringst, werfe ich meinen Spieß nach dir."

Als Glückert die Funktion des örtlichen Feld- und Waldhüters ausübte, soll er meistens eine Schußwaffe, fein säuberlich eingewickelt in einem Tuch mit sich geführt, jedoch nie benutzt haben. Einem einmal auf frischer Tat angetroffenen Frevler soll er nachgerufen haben:
"Deine Hand soll verdorren, du Ruchloser".


 
Ölgemälde von Adolf Glückert aus dem Jahr 1931.

Es wurde vom damaligen Lehrer Richard Marschall gemalt.

Aus Erzählungen ist bekannt dass Glückert beim Modellsitzen öfters vom Schlaf übermannt wurde, und von Marschall geweckt werden mußte.

   

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